Tusche, Acryl, Aquarell, Farbstifte auf Aquarellpapier 50 x 65 cm
Dreizehn Linden in Niederholtorf (2026) von Martin Welzel
Online seit 23.10.2026
#Malerei
#phantastischer Realismus
#Fantasie
#Städte
Eintrag im „Logbuch des Phantastonauten“ vom 23. Oktober 2026
Dreizehn Linden in Niederholtorf II
Die Postkutsche war als Reisemöglichkeit etwas unbequem, aber zuverlässig. Die gesamte Fahrt hatte ich auf einer ungepolsterten Holzbank verbracht und dabei gelernt, woher der Begriff Schlagloch stammte. Vor allem hatte ich genügend Zeit, darüber nachzudenken, ob es eine gute Idee war, diese Reise anzutreten. Ich wollte einem alten Freund einen Gefallen tun und herausfinden, ob der kleine Ort Niederholtorf genügend Potential besaß, um Gegenstand eines der phantastischen Gemälde ebenjenes Freundes, seines Zeichens Maler, zu werden.
Um in dieser Hinsicht ehrlich zu sein: ich war skeptisch. Wie die meisten von euch inzwischen sicherlich wissen, war ich als aktiver Phantast schon in einige haarsträubende Abenteuer an wirklich außergewöhnlich phantastischen Orten geraten. Nachzulesen in meinem allseits bekannten „Logbuch des Phantastonauten“. Verständlicherweise war ich von daher einiges gewohnt auf meinem Fachgebiet „Zauberwelten und Verwandtes“ und nicht leicht aus der Fassung zu bringen. Aber na gut, alte Freunde halt, einfach mal einen Gefallen tun, usw., usw..
Aus diesem Grund war es keine große Überraschung für mich, beim Besteigen der Postkutsche einige Stunden zuvor, diese schon fast vollständig besetzt vorzufinden, mit einem Froschkönig samt Gemahlin, der Froschkönigin selbst, und ihrem Gefolge.
Hier scheint mir nun der geeignete Moment gekommen, mit einigen der landläufigen Vorurteilen in Bezug auf Froschkönig Innen aufzuräumen: Keiner der beiden hat irgendein Interesse daran in einen Menschen, sei es nun ein Prinz oder was auch immer, verwandelt zu werden. Genauso wenig, wie sich als Balljunge zu betätigen, auch wenn der Ball aus purem Gold sein sollte. Und auch vor ausgiebigem, gegenseitigem Küssen schreckte keiner der beiden irgendwie zurück oder zierte sich ungebührlich, wie ich nach der gemeinsamen Kutschfahrt mit ihnen zu Genüge bezeugen kann.
Nun ja, einiges, was ich auf der Fahrt nach Niederholtorf draußen vor dem Fenster der Kutsche vorbeiziehen sah, war schon, sagen wir, etwas unkonventionell. Zunächst fiel mir auf, dass je näher wir der Stadtgrenze kamen, die Dichte der motorisierten Fahrzeuge, die ansonsten in übergroßer Menge die Straßen der modernen Welt unsicher machen, rapide abnahm und hinter dem Ortsschild gegen Null ging. Dafür nahm die Zahl eher ungewöhnlicher Verkehrsteilnehmer rapide zu: Eine Schneckenpost, der Leiter der örtlichen Schildkrötenparade, mehrere Elefanten, besetzt von meditierenden Yogis, welche bekanntlich in dieser Region dazu dienen, Konflikte zwischen konkurrierenden Verkehrsteilnehmern wegzuatmen. Um nur einige zu nennen.
Es gab dann unterwegs noch einige Verzögerung aufgrund der Bewohnerin der lokalen Drachenburg: einige der vierbeinigen Bewohner einer angrenzenden Viehwiese fühlten sich durch das Grillfest nebenan anscheinend gestört. Nun ja, da wären wir beim Thema Vegetarismus oder konventionelle Ernährung, eine nähere Erörterung würde an dieser Stelle zu weit führen.
Sapperlot, Zeit aus der Kutsche auszusteigen, dachte ich bei mir, als draußen die freundliche Fassade des örtlichen Gasthauses „Dreizehn Linden“ auftauchte und so verabschiedete ich mich bei der quietschgrünen, rumknutschenden Queen und ihrem Froschkönig, und kletterte hinaus auf die Straße.
Obwohl: die Straße war verschwunden, ich stand mitten auf einer Wiese. Das Einzige was entfernt straßenähnlich wirkte, sozusagen ein letztes Verkehrsrelikt, war eine übergroße Ampel mitten auf dem Vorplatz des Gasthauses, fast schon im angrenzenden Biergarten. Da sie gerade Grün anzeigte (was sie eigentlich immer tat, wie ich später erfuhr), überquerte eine Rotte Wildschweine die, nein nicht die Straße, die war ja schon weg, sagen wir einfach „die Wiese“. Etwas irritierend, fast schon frech, empfand ich dabei den provozierenden Blick des jugendlichen Wildschwein-Rowdies, der betont lässig am Ampelpfosten lehnte.
Der Blick auf die Häuserzeile auf der gegenüberliegenden Seite brachte auch keine übernatürlichen oder sonstwie auffälligen Bewohner in den Fokus meiner zauberwelt-geschulten Blicke. Nur die ortsansässigen Kobolde, die sich auf den Dächern vergnügten, bzw. ihr Pfeifchen rauchten und die übliche Fee auf der Luftschaukel, alles schonmal irgendwo gesehen.
Na dann lass uns mal sehen, wer hier heute Nachmittag im Biergarten des Gasthauses zusammenkommt und sich eine schöne Zeit macht. Hier wurde die Sache schon interessanter: Ein riesiger Hirsch stand direkt hinter dem Tisch des Feenkönigspaares, doch das ist eine Geschichte, die an einer anderen Stelle erzählt werden soll (siehe Eintrag im „Logbuch des Phantastonauten“ vom 15.10.2026). Auch das Einhorn dort hinten am Waldrand war ein durchaus interessanter Gegenstand lokaler Historien und Gerüchte, nachzulesen in meinem „Logbuch des Phantastonauten“ unter dem Eintrag „Das Einhorn von Nieder-Holtorf“ vom 8.10.2026.
Ansonsten ließ sich aber hier nichts außergewöhnlich Ungewöhnliches vermelden, nun gut, dass die Pommes-Familie vom Ort des Gemetzels an ihren Artgenossen floh, war ja durchaus nachvollziehbar und auch der surfende Wasservogel weiter hinten zwischen Schildkrötenteich und der legendären Wasserpumpe von Hoholz: Also bitte, kein Grund deswegen irgendwie rumzuspießern.
Ich gähnte. Also umsonst die weite Fahrt gemacht. Aber immerhin, ein netter, beschaulicher Ort war es ja, dieses Niederholtorf mit seinen Dreizehn Linden. Man konnte es sich hier durchaus gemütlich machen. Vielleicht dort vorn am Tisch neben der Feenkönigin und dann bei einem Kaltgetränk schonmal die Spesenabrechnung fertigmachen, für meinen Freund den Maler.
Dreizehn Linden in Niederholtorf II
Die Postkutsche war als Reisemöglichkeit etwas unbequem, aber zuverlässig. Die gesamte Fahrt hatte ich auf einer ungepolsterten Holzbank verbracht und dabei gelernt, woher der Begriff Schlagloch stammte. Vor allem hatte ich genügend Zeit, darüber nachzudenken, ob es eine gute Idee war, diese Reise anzutreten. Ich wollte einem alten Freund einen Gefallen tun und herausfinden, ob der kleine Ort Niederholtorf genügend Potential besaß, um Gegenstand eines der phantastischen Gemälde ebenjenes Freundes, seines Zeichens Maler, zu werden.
Um in dieser Hinsicht ehrlich zu sein: ich war skeptisch. Wie die meisten von euch inzwischen sicherlich wissen, war ich als aktiver Phantast schon in einige haarsträubende Abenteuer an wirklich außergewöhnlich phantastischen Orten geraten. Nachzulesen in meinem allseits bekannten „Logbuch des Phantastonauten“. Verständlicherweise war ich von daher einiges gewohnt auf meinem Fachgebiet „Zauberwelten und Verwandtes“ und nicht leicht aus der Fassung zu bringen. Aber na gut, alte Freunde halt, einfach mal einen Gefallen tun, usw., usw..
Aus diesem Grund war es keine große Überraschung für mich, beim Besteigen der Postkutsche einige Stunden zuvor, diese schon fast vollständig besetzt vorzufinden, mit einem Froschkönig samt Gemahlin, der Froschkönigin selbst, und ihrem Gefolge.
Hier scheint mir nun der geeignete Moment gekommen, mit einigen der landläufigen Vorurteilen in Bezug auf Froschkönig Innen aufzuräumen: Keiner der beiden hat irgendein Interesse daran in einen Menschen, sei es nun ein Prinz oder was auch immer, verwandelt zu werden. Genauso wenig, wie sich als Balljunge zu betätigen, auch wenn der Ball aus purem Gold sein sollte. Und auch vor ausgiebigem, gegenseitigem Küssen schreckte keiner der beiden irgendwie zurück oder zierte sich ungebührlich, wie ich nach der gemeinsamen Kutschfahrt mit ihnen zu Genüge bezeugen kann.
Nun ja, einiges, was ich auf der Fahrt nach Niederholtorf draußen vor dem Fenster der Kutsche vorbeiziehen sah, war schon, sagen wir, etwas unkonventionell. Zunächst fiel mir auf, dass je näher wir der Stadtgrenze kamen, die Dichte der motorisierten Fahrzeuge, die ansonsten in übergroßer Menge die Straßen der modernen Welt unsicher machen, rapide abnahm und hinter dem Ortsschild gegen Null ging. Dafür nahm die Zahl eher ungewöhnlicher Verkehrsteilnehmer rapide zu: Eine Schneckenpost, der Leiter der örtlichen Schildkrötenparade, mehrere Elefanten, besetzt von meditierenden Yogis, welche bekanntlich in dieser Region dazu dienen, Konflikte zwischen konkurrierenden Verkehrsteilnehmern wegzuatmen. Um nur einige zu nennen.
Es gab dann unterwegs noch einige Verzögerung aufgrund der Bewohnerin der lokalen Drachenburg: einige der vierbeinigen Bewohner einer angrenzenden Viehwiese fühlten sich durch das Grillfest nebenan anscheinend gestört. Nun ja, da wären wir beim Thema Vegetarismus oder konventionelle Ernährung, eine nähere Erörterung würde an dieser Stelle zu weit führen.
Sapperlot, Zeit aus der Kutsche auszusteigen, dachte ich bei mir, als draußen die freundliche Fassade des örtlichen Gasthauses „Dreizehn Linden“ auftauchte und so verabschiedete ich mich bei der quietschgrünen, rumknutschenden Queen und ihrem Froschkönig, und kletterte hinaus auf die Straße.
Obwohl: die Straße war verschwunden, ich stand mitten auf einer Wiese. Das Einzige was entfernt straßenähnlich wirkte, sozusagen ein letztes Verkehrsrelikt, war eine übergroße Ampel mitten auf dem Vorplatz des Gasthauses, fast schon im angrenzenden Biergarten. Da sie gerade Grün anzeigte (was sie eigentlich immer tat, wie ich später erfuhr), überquerte eine Rotte Wildschweine die, nein nicht die Straße, die war ja schon weg, sagen wir einfach „die Wiese“. Etwas irritierend, fast schon frech, empfand ich dabei den provozierenden Blick des jugendlichen Wildschwein-Rowdies, der betont lässig am Ampelpfosten lehnte.
Der Blick auf die Häuserzeile auf der gegenüberliegenden Seite brachte auch keine übernatürlichen oder sonstwie auffälligen Bewohner in den Fokus meiner zauberwelt-geschulten Blicke. Nur die ortsansässigen Kobolde, die sich auf den Dächern vergnügten, bzw. ihr Pfeifchen rauchten und die übliche Fee auf der Luftschaukel, alles schonmal irgendwo gesehen.
Na dann lass uns mal sehen, wer hier heute Nachmittag im Biergarten des Gasthauses zusammenkommt und sich eine schöne Zeit macht. Hier wurde die Sache schon interessanter: Ein riesiger Hirsch stand direkt hinter dem Tisch des Feenkönigspaares, doch das ist eine Geschichte, die an einer anderen Stelle erzählt werden soll (siehe Eintrag im „Logbuch des Phantastonauten“ vom 15.10.2026). Auch das Einhorn dort hinten am Waldrand war ein durchaus interessanter Gegenstand lokaler Historien und Gerüchte, nachzulesen in meinem „Logbuch des Phantastonauten“ unter dem Eintrag „Das Einhorn von Nieder-Holtorf“ vom 8.10.2026.
Ansonsten ließ sich aber hier nichts außergewöhnlich Ungewöhnliches vermelden, nun gut, dass die Pommes-Familie vom Ort des Gemetzels an ihren Artgenossen floh, war ja durchaus nachvollziehbar und auch der surfende Wasservogel weiter hinten zwischen Schildkrötenteich und der legendären Wasserpumpe von Hoholz: Also bitte, kein Grund deswegen irgendwie rumzuspießern.
Ich gähnte. Also umsonst die weite Fahrt gemacht. Aber immerhin, ein netter, beschaulicher Ort war es ja, dieses Niederholtorf mit seinen Dreizehn Linden. Man konnte es sich hier durchaus gemütlich machen. Vielleicht dort vorn am Tisch neben der Feenkönigin und dann bei einem Kaltgetränk schonmal die Spesenabrechnung fertigmachen, für meinen Freund den Maler.
